Folge 64: Zwischen den Zeilen 7: Die Herkuleskeule – beim Alter geschummelt?

Shownotes

Buch „Beim Barte des Proleten“: www.selbstironieverlag.de/buch-beim-barte-des-proleten

CD „Berliner Temperament und Wiener Schmäh“: www.selbstironieverlag.de/cd-vol-5-ilse-maybrid-and-otto-stark

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00:00:01: Zungenspitzer, der Podcast mit Tilman Lucke.

00:00:08: Willkommen zum Zungsspitzer-Podcast rund um Kabarett und Comedy!

00:00:11: Mein Name ist Tilmann Lucke.

00:00:13: ich bin Kabarettist aus Berlin und unter dem Motto zwischen den Zeilen spreche ich jeden Monat Gesprächsgast Jürgen Klammer vom Selbstironieverlag, einem ausgewiesenen Experten auf dem Feld des DDR-Kabarettes.

00:00:27: Ja, schönen guten Tag!

00:00:28: Heute in Folge vierundsechzig widmen wir uns der Entstehung der einen oder dem anderen auch etwas sagen, angeblich neunzehntundsechzig gegründet.

00:00:42: Aber das gab es schon vorher.

00:00:45: Wenn man sich die Jubiläons feiern, dass einer oder andere in Kabarett anschaut, man stößt als Historiker auf Ungereimteilten sage ich einmal denn nicht nur die Herculeskeule feiert seit einigen Jahren ihrer Entstehung unter dem Datum der Erste Mai, was aus meiner Sicht nicht ganz richtig ist.

00:01:08: Es gibt aber auch ein anderes Kabarett, die Akademiker.

00:01:12: Die schummeln sich da auch ein bisschen erst in das Jahr neunzehntundundsechzig, obwohl sie eigentlich schon in neunzenhundertdreiundsechsig entstanden sind.

00:01:20: Kommen wir zu den Hercules-Käulen, die in Silvester nineteenhundertfünfzig ihre erste Aufführung hatte und war noch nicht unter dem Namen Herr Kolleskeule, sondern Silvester.

00:01:44: In der Veranstaltung des Dresdner Staatstheaters trat eine Gruppe von Künstlern dieses Theaters.

00:01:50: Das Landesschauspiel Radebeul und das Theater der jungen Generationen traten mit Kabarettennummern auf.

00:01:58: Und es waren drei und zwanzig Nummern, die da aufgeführt wurden.

00:02:02: Es war ein Riesenspektakel.

00:02:04: Die Initiatur dieser Cabaret-Aufführung war auto stark!

00:02:09: Es war damals überhaupt üblich Anfang der fünftiger Jahre das Schauspieler an den Theatern nebenbei auch noch begannen ein bisschen Cabaret zu machen.

00:02:20: Das war in der Pfeffermühle so.

00:02:22: So ist ja auch dass die Pfeffermühle entstanden.

00:02:26: In Halle gab es ebenfalls ein Ensemble in den Fünfzigerjahren, in Teufels Küche.

00:02:31: In Cottbus gab es das Kabarett die Stichlinge und auch in Quedlinburg gab es einen Schauspieler-Kabarett der Wecker.

00:02:39: also eine breite Initiative damals und das war wahrscheinlich auch der Hintergrund in Dresden.

00:02:46: man wollte nebenbei noch ein bisschen Spaß haben und vor allen Dingen nebenbei ein bisschen tingeln und damit Geld zu verdienen.

00:02:55: Ich sagte ja bereits, der Initiatur dieser Veranstaltung Sylvester war der damalige Staatstheaterschauspieler Otto Stark.

00:03:03: Otto Stark ist eine sehr interessante Figur und hat eine hochinteressante Biografie.

00:03:09: Und wenn man über ihn spricht müsste man eigentlich mehrere Podcasts machen denn er hat bis zum Jahre neunzehnundundundachtzig die Diesel mehr oder weniger erfolgreich geleitet.

00:03:23: Aber Otto Stark, ein wiener Jude war von Wien nach Dresden gekommen an Staatstheater und hatte natürlich nebenbei das Bedürfnis auch ein wenig Kabarett zu machen.

00:03:37: Und kurz nach diesem erfolgreichen Auftritt in der Silvesterveranstaltung kam es schon am achten Januar nineteenhundertfünfzig zu einem ersten Auftritt In der Öffentlichkeit mit dem Programm dürfen die denn das?

00:03:52: Und zwar unter dem Namen Herkoleskeule.

00:03:57: Der Name Herkoliskeule leitete sich ab von einer Skulptur im Dresdener großen Garten mit einer großen Keule an der Seite.

00:04:08: Themen waren damals natürlich in den fünftiger Jahren, Wohnungsprobleme etwas Thema zum Thema Sport funktioniere ich Deutsch modische Themen.

00:04:18: Autor.

00:04:19: in diesem ersten Ensemble waren Unter anderem der Dramaturg Hans Lucke, ein Schauspieler Alexander Bauer und einige andere.

00:04:28: Das Ensemble war relativ groß – zwanzig Leute.

00:04:32: Sie wurden vermittelt von der Deutschen Konzert- und Gasspieldirektion.

00:04:36: In dem ersten Ensemble waren auch dabei die Schauspielerin Ilse Maybrett.

00:04:43: Die Ehefrau von Otto Stark, Sie hatten sich in Berlin am Theater der Freundschaft heute Theater einer Parkauer kennengelernt.

00:04:52: Und Ilse Maibrit eine Kesse Berlinerin hatte bereits in der unmittelbaren Nachkriegszeit in einem Nachkrigskaberett dem Berliner Kammerbrettel erste Kabarett-Erfahrungen gesammelt.

00:05:06: Das Kammerbrettel, ein Berliner nachkriegskaberret war eines der ersten im Osten Berlins in der Nähe vom S-Bahnhof Ostkreuz, Kaffee Wiesner.

00:05:17: Im Mai nineteen hundertfünfundfünfzig gab es schon ein zweites Programm Dresden sie sich.

00:05:24: Es waren mehr innerstädtische Themen.

00:05:26: Die Truppe tingelte über die Dörfer und in die Städte Und dann gab es sechsundfünfzig ein drittes Programm.

00:05:35: Leben die denn noch?

00:05:37: Das Ensemble kam aber in finanzielle Schwierigkeiten weil Zehn bis zwanzig Mitarbeiter waren natürlich ein bisschen schwer zu bewegen.

00:05:47: Man musste immer auf die Termine achten, wo sie dann im Staatsschauspiel zu tun hatten und vor allen Dingen das Hauptproblem war die Gage musste durch zehn bzw.

00:05:57: manchmal sogar zwanzicht Personen geteilt werden und so kamen oder stark auf die Idee, die Truppe auf eine Gruppe von vier Darstellern zu reduzieren.

00:06:07: Und weil sie jetzt nicht mehr ein Hercules Keule waren, reduziert auf vier Personen nannte sich die Gruppe fortan am neunzenhundertsechsunfünfzig Hercules-Keulchen.

00:06:20: Auch in diesem Jahr sechsundfünftig, siebenundfünfzlich nahm man Textanleihen Mittlerweile auch, weil es schwierig waren mit Kabarettexten in der Berliner Distel.

00:06:32: Man gastierte auch schon im Jahr nineteenhundertsechsundfünfzig in der berliner Distelt und es gibt einige Tunaufnahmen aus diesem Jahr die wir uns heute anhören

00:06:43: können.

00:06:44: Nun ist sie wieder da!

00:06:45: Die Herr Kuleskreue!

00:06:48: Herr Kules-Kolchen, etwas

00:06:49: klein.

00:06:50: Dafür wendiger?

00:06:51: Schärfer und

00:06:51: besser hoffen wir entscheiden

00:06:53: müssen sie jetzt!

00:06:54: Wir beginnen mit unserem neuen Motto

00:06:56: Das Kolchen das Kolchen, das hat ein spitzes Mölchen.

00:06:59: Junge, junge, junge Lass

00:07:04: alle eine scharfe Zunge.

00:07:12: Es sagt euch allen ins Gesicht So ist es doch so geht es nicht Noch.

00:07:16: die Berliner in Sachsen holen sich so lange zu ihr spielen Denn Riesen ist doch wirklich ne zweite Heimat mehr.

00:07:25: Trotz Hanf von mich und Rechen bin ich doch gerne!

00:07:37: Insultes

00:07:38: die Stadt zu meiner Träume sein, Doch

00:07:41: dann verschlug es er mich hierher Und jetzt möchte ich weg nicht mehr.

00:07:48: Ich leite

00:07:49: hier das Kabarett und ich hoffe

00:07:53: sie finden Es ist

00:07:55: alles fortschrittlich, was wir halt hier machen.

00:07:58: Sie dürfen getrost also lachen!

00:08:07: Ich breche die Herzen der stolzesten

00:08:10: Frauen weil ich aus Dresden und so leidenschaftlich bin.

00:08:17: sie brauchen nur ins Programm mal zu schauen.

00:08:21: schon sind sehr hin.

00:08:28: Ende des Jahres fünftig kam ein viertes Programm auf die Bühne, merken die den garnischt.

00:08:34: Es gab einen Silvesterprogramm in nineteenhundert siebenundfünfzig.

00:08:40: Das Leben ist doch schön.

00:08:42: Anfang Januar gab es ein sechstes Programm immer feste Truff Und im Sommer, neunzehnhundertneunundfünfzig war die Luft raus.

00:08:52: Das Herumreisen und parallele Theaterspielen war zu anstrengend.

00:08:56: das Herr Kuleskölchen stellte im Sommer neunzenhundertundfünftig seine Aktivitäten ein.

00:09:02: Aber dafür gibt es auch noch einen anderen wichtigen Grund.

00:09:07: Wir zeigen Ihnen jetzt eine Szene aus dem Tätzug Dresden Berlin genanntes Sachsen-Schleider.

00:09:16: Diese Zug machte enorme Strecke von hundred-achtzig Kilometern in nur vier Stunden, fünfundfünfzehn Minuten.

00:09:23: Außerdem gibt es jede Bequemlichkeit für den Reisenden, nämlich ein Metropa Wirtschaftsdienst und auch ein Streuungsdienst.

00:09:28: Aber wir wollen Ihnen das mal vorzeigen, ne?

00:09:35: Geben Sie mir

00:09:36: mal eine Bockwurst!

00:09:37: Haben wir nicht!

00:09:38: Die sollten mich... Der Herr, der mir gerade begegnet hat, hat doch eine

00:09:40: Bockgurst?!

00:09:41: Jaaa..

00:09:42: Das war

00:09:42: ne

00:09:42: Pripolnische!!

00:09:43: Oder gehen Sie mir

00:09:44: eben eine Brie-Polnische?

00:09:46: Haben wir auch nicht.

00:09:47: Aber wieso denn nicht, ich

00:09:48: denke der Herr hat ja einen.

00:09:49: Ja das war die letzte.

00:09:51: Na wissen Sie so dass wir an schöner Rat hier bei... Das ist vielleicht bloß mal!

00:09:53: Ja bitte letzte Tiere vom Gang wo Besetze dranstehen.

00:09:56: Nein nein, da haben sich irgendwas Trinkbares für mich da,

00:09:59: ich habe ja so bessere Durst.

00:10:00: Vielleicht ne Limonade.

00:10:02: Nee, haben wir nicht.

00:10:03: Na dann nehme ich ein Apfelsaft.

00:10:04: Nö, führen wir gar nicht.

00:10:05: Achtung Achtungen, ihr spricht doch mit

00:10:07: Roma Wirtschaftsdienst.

00:10:10: Liebe Kollegen Mitreisende

00:10:12: In drei

00:10:13: Minuten erreichen wir großen Heim.

00:10:15: Im H.O.

00:10:16: Bahnhofs Kiosk für Sie die einmalige Leschmeile, die gute H.o.-Landleberwurst und die

00:10:22: üblich-neuen-neun-Schwurzsorten

00:10:23: zu kaufen.

00:10:25: Er kommt zur Bahnhofstraße, bietet an die frisch

00:10:28: neu eingegangenen chinesischen Bananen.

00:10:30: Bitte schnell abholen durch ein etwas Babsch!

00:10:38: Bitte bei allem beim Einkaufen.

00:10:45: Einer der wichtigsten Hintergründe für die Beendigung der Aktivitäten des Hergules Kölchens in Dresden war, dass der Diesel-Direktor Erich Brehm das große komediantische Talent von Otto Stark aufgefallen war.

00:11:04: Stark wollte auch nach Berlin zumal seine Ehefrau Issa Maybrit ja eine wascheechte Berlinerin.

00:11:10: Aber die schauspielerischen Verpflichtungen im Staatstheater waren doch so umfangreich, dass es also schwierig war sich herauszulösen.

00:11:18: So gelang es erst dem Nachfolger von Bremen, dem zweiten Kabarettdirektor der Distel Hans Krause, in den letzten Jahren zu verpflichten.

00:11:31: Das kann man alles auch nachlesen in meinem Diestelbuch unter dem Kapitel Wienerschmäh im Berliner Kabarett.

00:11:40: Hans Krause hat später dazu Folgendes gesagt.

00:11:43: Hans rascher versicherte mir, er würde vor mir auf die Knie fallen wenn es mir gelänge den Stark nach Berlin zu holen.

00:11:51: Das hätte ich zwar nicht geduldet aber es beweist doch dass die Lust auf stark im Ensemble groß war.

00:11:57: Nicht so bei den Damen Denn sie fürchteten das ich mit Otto Stark womöglich auch noch seine Ehefrau mit einkaufen könnte.

00:12:07: Zitateende Es hatte sich herumgesprochen, dass Ilsun Maybrit eine dominierende Persönlichkeit ist und sie waren eigentlich damit zufrieden, dass sie untereinander ganz gut auskam.

00:12:17: Und drei Frauen an einem Kabarett, das reicht ja eigentlich!

00:12:20: Es war dann ihrem Mann gelungen Sie im Jahre neunzehnhundertsechzig in der Diesel unterzubringen.

00:12:28: Sie blieb dort gemeinsam mit Ihrem Ehemann bis ins Jahr neunzenhundertneunundachtzig.

00:12:35: Wie lief es denn?

00:12:35: War es wie befürchtet oder ging's?

00:12:38: Ja, inzwischen hatte dann, ich glaube, die Diestel verlassen im Streit mit Herrn Honigmann.

00:12:46: Ilgrid Ohnschläger war auch schon weg es waren andere gekommen.

00:12:50: und ja als dann Otto Strack im jahrelang auch noch direkt da wurde spielte logischerweise seine Ehefrau ab diesem Zeitpunkt eine sehr dominierende Rolle auf der Bühne.

00:13:02: Es geht ja immer darum wer bekommt welche Texte Wer wird in dem Vordergrund dargestellt mit guten Soli und so weiter.

00:13:11: Ich habe vor vielen Jahren mal eine CD gemacht im Rahmen einer Reihe Kabarettisten der DDR, wo ich Ilse Maibrit und Otto Stark mit einer Vielzahl von in der Diesel gespielten Texten dokumentiert haben unter der Überschrift Berliner Temperament – damit ist Ilse-Maibrit gemeint Und Wienerschmähe, logischerweise Ottostark.

00:13:40: Eine Ehe mit Kabarett.

00:13:43: Lieder und Szenen aus den Jahren dreiundsechzig bis dreieunachtzig.

00:13:49: Ich will das noch mal weiterziehen.

00:13:52: Hans Rascher, der ja verantwortlich war im Auftrag von Bremen-Ottostark zu bearbeiten.

00:14:00: Es gibt Fotos wo Rascher und Otto Stark an Elbe spazieren gehen und sich unterhalten.

00:14:09: Der war ein begeisterter Otto Stark Fan, er bekam aber dann später als Otto Stark an der Diesel war insbesondere als er Direktor wurde Schwierigkeiten mit Otto Stark und er trennte sich mit anderen Autoren von der Diesel weil sie Zitat den damaligen Direktor Gemeintes Otto Stark für einen ausgemachten Armleuchter hielten, der dazu noch wie sie meinte im Arsch der Partei saß.

00:14:38: Dresden hatte ab Sommer neunzehnhundertneunundfünfzig kein Kabarett mehr.

00:14:44: Erst im Jahre neunzenhunderteinundsichtig, wie eingangs schon erwähnt übernahm Der Dresdner Schauspieler Manfred Schubert, der zuvor sich schon mit Amateurkabarett beschäftigt bzw.

00:14:58: Amateur-Kabarett betreut hat die Aufgabe in Dresden wieder ein Kabarett zu initiieren mit einer festen Spielstätte und wenn man genau betrachtet war – mit der Prämiere am ersten Mai, den ersten Mal, erst das Dritte DDR-Kabarett mit einer festen Spielstätte in der DDR etabliert.

00:15:22: Neben den Diesel und der Pfeffermühle in anderen Städten gab es noch keine festen Kabarretts.

00:15:29: Ja, vielen Dank Jürgen Klammer!

00:15:30: Diesmal über das Dresdner Kabarett Herkuleskeule, dann hören wir uns genau einem Monat wieder und zwar am ersten Oktober.

00:15:38: Und dann befassen wir uns mit einem Text der von dir selber ist.

00:15:42: Du bist ja auch Kabarettautor gewesen und warst beteiligt an einem dieser legendären Autorenabende in der Diesel.

00:15:49: Bis dann, Jürgen Klammer!

00:15:51: Auf Wiedersehen bis zum nächsten Mal.

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